rinks und lechts kann man wohl velwechsern (frei nach Ernst Jandl)
Hier geht es um die vielfach beklagte Begriffsverwirrung der Bezeichnungen für die politischen Standorte von „links“ und „rechts“. So werden manchmal Leute, als „links“ oder „links-radikal“ bezeichnet, deren Verhalten aber nach dem Empfinden anderer Leute alle Merkmale von Rechten zeigen, weil sie autoritär und gewaltbereit auftreten.
Eine klare Orientierung an der traditionellen Ortsbestimmung ist also überfällig und soll hier mit einigen Beispielen geleistet werden.
Overton-Magazin: »Der Staat zeigt offen sein autoritäres Gesicht«
Gespräch mit Rainer Mausfeld über sein neues Buch „Hegemonie oder Untergang“
Mausfeld:
(...)
Historisch steht ja die Bezeichnung „links“ für die emanzipatorischen Bemühungen um eine solidarische, menschengerechte Gesellschaft, die auf der Anerkennung aller Menschen als Freie und Gleiche beruht, ungeachtet ihrer faktischen Differenzen. Konkret steht „links“ also für eine gerechte und solidarische Gesellschaft, die mit einem Schutz der Armen und Schwachen einhergeht. Es steht also für die Befürwortung der zivilisatorischen Leitidee einer egalitären Demokratie und damit insbesondere
für einen Sozialstaat und einen demokratischen Rechtsstaat.
„Rechts“ steht dagegen für die Aufrechterhaltung überkommener Herrschaftsverhältnisse, für den Schutz von Privilegien, für Ausbeutung und Unterdrückung von Minderheiten. „Rechts“ steht für eine Verteidigung eines „Rechts des Stärkeren“ – und damit eines Sozialdarwinismus – und richtet sich insbesondere
gegen den Sozialstaat.
Weiterlesen im Originalartikel oder im PDF das diesen Teil im Gespräch herausgreift und weiter ausführt.
Sehr ausführlich behandelt Klaus Hartmann das Themenfeld mit vielen Beispielen der Irrungen und Wirrungen.
Im Prinzip bestätigt er alles, was Mausfeld in Kürze schreibt, fügt allerdings noch weitere Kriterien hinzu,
zum Beispiel den Krieg: „Gegen Krieg ist links – und deshalb sind die Grünen rechts.“
Klaus Hartmann: Was ist „Rechts“, was ist „Links“?
Hier ein kurzer Ausschnitt gegen Ende des langen (aber unbedingt empfehlenswerten) Artikels:
„Betrachtet man das alte Parteienspektrum, ist die AfD natürlich eine rechte Partei. Aber rechts von der AfD sitzt die SPD, mit dem Zeitenwende-Kanzler, der unentwegt Waffen für den Stellvertreterkrieg gegen Russland an die Ukraine liefert, dessen Kriegsminister Pistorius „Deutschland wieder kriegstüchtig“ machen will.[20] Und rechts von der SPD sitzt die CDU/CSU, deren Fraktionsvorsitzender Merz im Verein mit seinen militaristischen Sekundanten Hardt und Wadephul einen noch schärferen Kriegskurs will, u. a. durch Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern.[21] Und noch weiter rechts sitzt die FDP, deren Rüstungslobbyistin Strack-Zimmermann immer mehr Waffen für Kiew fordert[22], und womöglich Selenskij schon bald adoptieren könnte. Ganz am rechten Rand sitzen noch die Grünen, die Rechtsextremisten, die Russland ruinieren und besiegt sehen wollen, deren Baerbock „einen Krieg gegen Russland führt“ und deren Hofreiter völlig entfesselt immer mehr Sanktionen gegen Russland fordert und den „zögerlichen Kanzler“ mit Dauerkritik beschallt.[23]
Gehen wir zurück in diesem Parteienspektrum, sehen wir links von der AfD, in der Mitte und etwas links der Mitte die Partei Die Linke. Und links von ihr die sich neuformierende Gruppe um Sahra Wagenknecht. Damit ist die linke Seite bereits abschließend aufgezählt, im Ergebnis ein völliges Ungleichgewicht, eine gähnende Leere. Das ist ein Versagen der Linken insgesamt, die sich zu großen Teilen auf Lifestyle- und Haltungsthemen sowie sprachpolizeiliche Ersatzübungen eingelassen hat, und darüber ihr Kerngeschäft, die Interessenvertretung der Nichtprivilegierten, vergessen hat. Nachdem ihr mit den Begriffen auch die Inhalte abhandengekommen sind, müssen die Inhalte, was links ist, sein soll oder sein müsste, dringend zurückgewonnen und neu gefüllt werden.“