Lesefrüchte

April 2026

 

Hier sammeln wir Artikel, die auch über den Tag hinaus interessant sind und zitieren Auszüge. Um die Übersichtlichkeit zu erhalten, verschieben wir ältere Empfehlungen ins „Archiv“.

 


Lesefrüchte im vergangenen Monat  
Martin Sonneborn: Während Sie gebannt auf das Kaninchen starren, ... 
Tobias Riegel:
Skripal, Giftgas, Hacking, Doping – Strategien der Spannung ...
 


 

Textfragment auf X, gefunden in den NDS 

Martin Sonneborn: Während Sie gebannt auf das Kaninchen starren, ... 

... den Iran und seinen Seeweg, sollten Sie besser auf die Schlange sehen. IHR VÖLKER DER WELT, SCHAUT AUF DIESEN STAAT! Und ganz genau auf den Libanon achten, dieses wunderbare & vielfach geschundene Land, das durch seinen Status als souveränes Völkerrechtssubjekt vor jeder weiteren Verletzung doch geschützt sein müsste, geschützt sein sollte und geschützt wäre, wenn wir es nur schützten. Ein in der levantischen Kultur-, Lebens- und Glaubenstextur wurzelnder Staat mit dem (niemals zu überschätzenden) Erbe der Phönizier, die uns das Alphabet brachten und die Handelskunst. Ehemaliges Kreuzritterziel und französisches Mandatsgebiet, Refugium der Christen Westasiens und Schweiz des Nahen Ostens.

Wir waren im vergangenen November dort, als der brüchige Waffenstillstand durch über 10.000 israelische Verletzungen längst angesägt und die UNIFIL-Mission längst mehrfach tödlich angegriffen worden war - und über der Hauptstadt des souveränen Staates Libanon, über den sinnlos in die schweigende Landschaft geklatschten Botschaften Deutschlands und anderer Völkerrechtsversager schon knatternd die Drohnen & Robocop-Geschwader des Nachbarstaates kreisten.

Wir waren dort, als noch keine israelischen Bomben gegen libanesische Zivilisten in dicht besiedelte Städte flogen, als der weiße Phosphor noch nicht herabgeregnet war auf das Land und auch nicht die Tonnen Glyphosats – GIFT IST EIN MEISTER AUS DEUTSCHLAND – das die Heimat Hunderttausender auf Dauer unbewohnbar macht.

Wir waren dort, bevor südlibanesische Siedlungen und ganze Dorflandschaften, Häuser, Kirchen, Geschäfte, Schulen, Krankenhäuser, Hotels, Friedhöfe, Brücken, Straßen in die Luft gesprengt, von ortsfremden Siedlern plattgebaggert & geraubt und von analphabetisierten US-Neukartographen (Apple & Google) ausgelöscht waren. Gestrichen aus dem Gedächtnis derer, deren Gedächtnis bis zum letzten Kaffee reicht. In 40 Tagen hat Israel in seinem Nachbarland 37.836 Häuser zerstört.

Wir waren dort, als einer von fünf Libanesen noch nicht auf der Flucht war (und noch in seinem Haus statt auf der Straße wohnte). Als 1,2 Millionen Libanesen noch nicht durch den Rest des 10.000 qkm großen Landes irrten (halb so groß wie Hessen), von dem Israel es sich - wieder! - anmaßt, neben dem seit 1948 begierig beäugten Lebensfluss Litani nun mehr als 15, mehr als 20 Prozent, vielleicht ein Drittel rechtswidrig zu besetzen.

Wir waren dort, als die 1.923 getöteten Libanesen noch lebten und die 166 getöteten libanesischen Kinder. Als die getöteten Sanitäter noch lebten, die getöteten Ärzte und Apotheker, die getöteten Journalistinnen und getöteten Kameraleute. Der maronitische Priester, die Deutschlehrerin am Goethe-Institut, die Arabischprofessorin, der Architekt - und Khatoun Salma, die eine Dichterin war, eine Dame und die schönere Cathérine Deneuve. Zusammen mit ihrem Mann wurde sie im Schlaf von einer israelischen Rakete in den Tod gerissen - aus ihm und ihr und ihrer Wohnung, so die Verlegerin Rasha El Amir, sei ein Haufen Staub geworden.

Man wünschte, man würde aufhören können zu zählen. Und wieder. Und wieder einmal sehen die Damen und Herren der ehrenwerten Welt dabei zu, wie der Libanon rechtlos ruchlos überfallen wird - von einem Staat, mit dem ihn nichts verbindet als das geographische Unglück unmittelbarer Nachbarschaft.

Lassen Sie es sich gesagt sein. Während Sie gebannt auf den Iran und seinen Seeweg starren, sollten Sie besser auf den Libanon achten.
Er braucht es.

II.
Und während ein mit voller Absicht irre gewordener US-Immobilien- & Investment-Jesus Sie tagein, tagaus mit seinem kunstlosen Irrsinn volldröhnt - HERR, UNSEREN TÄGLICHEN KRANKEN SCHEISS GIB UNS HEUTE - sollten Sie besser auf den Papst hören. Wer hätte gedacht, dass wir das einmal (oder jemals) sagen würden. Tatsächlich hat der erste US-Papst der Welt nicht nur mehr Verstand, mehr Witz, mehr Würde und schickere Kleider als alle, die ihn zu kritisieren wagen, sondern - um im Kosmos seiner Kritiker zu bleiben - auch noch verdammt dicke Eier. Ein Papst aus Chicago, der irrwitzigerweise europäischere (und echtere) Werte vertritt als vonderLeyen & ihre Bande behämmerter Berufs-Trullahs.

III.
Und während Sie über Ungarn mal dies hören und mal das, sollten Sie besser schleunigst nach Brüssel sehen, wo vonderLeyen das Projekt der Zweckentfremdung der EU, der Vergewaltigung der europäischen Verträge und der finalen Entmachtung der Nationalstaaten vorantreibt, als gäb’s kein Morgen. Ein Projekt, das nie etwas anderes als Ihre eigene Entmachtung, werter Bürger, war, die unter dieser Kommissionspräsidentin natürlich verlässlich aufs Hässlichste verschleiert ist.

Mit einigen Positionen Orbans (angeblich rechts) mochte man übrigens übereinstimmen, mit anderen nicht. Es spielt gar keine Rolle, denn mit ihm ist vor allem einer der zwei effektivsten Widerständler aus dem EU-Gefüge eliminiert. Gegen den zweiten, den spanischen Ministerpräsidenten Sánchez (angeblich links), wird von der angeblichen Mitte seit langem heftig intrigiert, wobei die von Bezirksvorsteher Manfred Weber gewohnheitsmäßig aufs Hässlichste vertretene EVP - Stichwort „Brandmauer“ - mit rechtsextremen Ultraspaniern, Pardon: Ultraspinnern konspiriert, um den mit fragiler Mehrheit regierenden Sanchez zu stürzen.

Würde nach Orban nun auch Sanchez fallen, dann gäbe es in der EU keinen bedeutenderen Regierungschef mehr, der sich der autoritärbrutalistischen Regierungswut vonderLeyens noch widersetzen würde.
Achten Sie gefälligst auf Brüssel.

IV.
Der Zuschauer glaubt, er würde das Wesentliche beobachten, während er in Wahrheit genau das übersieht, was entscheidend ist. 

Ablenkung ist das zentrale Werkzeug des Zauberers. Je besser er ist - und je dümmer sein Publikum, desto unbemerkter wird die Aufmerksamkeit der Zuschauer gezielt dorthin gelenkt, wo es nichts zu sehen gibt (Glitzer! Ein Knall!), während die Ausführung des eigentlichen Tricks übersehen wird: das Verstecken der Karte im Ärmel, der Münze im Ohr, des Hasen im Arsch...

((Fragment endet hier unvermittelt))

 


 

Methoden der Manipulation: Stapel

Tobias Riegel: Skripal, Giftgas, Hacking, Doping – Strategien der Spannung und das große Schweigen danach

Dieser Artikel erschien am 15. Mai 2018 bei den NDS. Er schildert anschaulich eine recht wirksame Methode der Meinungsmanipulation, der wir immer wieder ausgesetzt sind. Der Artikel aus dem Jahr 2018 ist also auch heute noch aktuell und „denkwürdig“. 

Bei vielen Affären in jüngerer Vergangenheit wurde durch mediale Wiederholung eine nicht von Beweisen gestützte Version der Ereignisse erzeugt. War das gewünschte Bild installiert, wurde die Berichterstattung – ohne neue Entwicklungen zu berücksichtigen – jäh abgebrochen und die erzeugte Botschaft im kollektiven Gedächtnis „geparkt“. Dort können die Kampagnen bei Bedarf jederzeit reaktiviert werden. 

Es ist nur wenige Wochen her, da schien es, als sei international kein Thema bedeutsamer als ein mutmaßlicher Giftanschlag auf den in Großbritannien lebenden russischen Doppelagenten Sergej Skripal. Aufbauend auf der Medienkampagne zum Thema Skripal konnten Wirtschaftssanktionen und militärische Aggressionen gegen den angeblichen Täter Russland gefordert und wochenlang eine weltweite Atmosphäre der Spannung – und der Ablenkung – geschaffen werden.

Und dann? Kaum war die Vorverurteilung Russlands durch die Wiederholung unbelegter Anschuldigungen und die falsche Auslegung von Untersuchungsberichten medial installiert, kehrte ein plötzliches Schweigen ein, das bis heute anhält. Darum erfahren die deutschen Medienkonsumenten nicht, dass etwa die britischen Geheimdienste kürzlich einräumen mussten, dass sie keinen einzigen Verdächtigen im Fall Skripal benennen können. Zwar hatten auch deutsche Medien das Gegenteil verbreitet – aber über das Eingeständnis des britischen Nationalen Sicherheitsberaters Sir Mark Sedwill haben sie dann kein Wort verloren.

Emotionen ersetzen Erkenntnisse – Fakten werden nicht nachgereicht
Ähnlich war es bei den Sniper-Schüssen auf dem Kiewer Maidan-Platz 2014, beim Abschuss der Passagiermaschine MH17 über der Ukraine im selben Jahr und zu weiten Teilen bei den Kampagnen zum russischen Doping und Computer-Hacking: Bei allen diesen Affären wurde zunächst durch massive mediale Wiederholung eine weitgehend nicht von Beweisen, sondern Emotionen gestützte Version der Ereignisse erzeugt. War die gewünschte Botschaft installiert, wurde die Berichterstattung jäh abgebrochen und das erzeugte Bild im kollektiven Gedächtnis „geparkt“.

Wenn es dann doch Erkenntnisse gibt, die Monate später einer Medienkampagne widersprechen, werden diese oft nicht mitgeteilt. Und solche Erkenntnisse – neben dem oben geschilderten Eingeständnis zum Fall Skripal – gab es in jüngerer Vergangenheit einige, ohne dass sie eine angemessene Würdigung in den großen deutschen Medien erfahren hätten: So wurden neue Entwicklungen zum Maidan-Massaker von den Hauptmedien zu weiten Teilen verschwiegen, eine Pressekonferenz Russlands zu den angeblichen Giftgas-Angriffen im syrischen Duma nicht vermeldet, sondern hämisch verzerrt, es wurde die (nicht-russische) Herkunft des „Telekom-Hackers“ weitgehend unterschlagen und ein kürzlich veröffentlichtes Urteil des Internationalen Sportgerichts in Lausanne (CAS), das die Aussagen des russischen Doping-Kronzeugen Grigorij Rodtschenkow stark relativiert, zu weiten Teilen totgeschwiegen.

(...)

Bei Bedarf werden Kampagnen wieder aufgewärmt
Die grüne EU-Abgeordnete Rebecca Harms hat diese Taktik kürzlich in Perfektion genutzt, um für einen Boykott der Fußball-WM in Russland zu trommeln:

„Der Giftgasanschlag in Salisbury ist nur das neueste Kapitel von Wladimir Putins Verhöhnung unserer europäischen Werte: willkürliche Bombenangriffe auf Schulen, Krankenhäuser und Wohngebiete in Syrien; die brutale militärische Invasion der Ukraine; systematische Hackerattacken; Desinformationskampagnen; Wahleinmischung; Versuche, die EU zu schwächen und destabilisieren – all das steht nicht auf der Visitenkarte eines guten WM Gastgebers.“

Keiner der hier gestapelten Vorwürfe kann nach ordentlichen Standards als bewiesen bezeichnet werden. Harms kann aber auf die in den Köpfen der Bürger gespeicherten Reste der einstigen Medienkampagnen zielen.

Die Strategie der intensiven emotionalen Medien-Kampagnen, die in dem Moment abgebrochen werden, in dem Fakten die selbst erzeugte Version bedrohen könnten, erfüllt somit zwei Kriterien: Sie erzeugt eine Schockstarre, während der unpopuläre Entscheidungen oder Enthüllungen kaschiert werden können. Und sie belässt die emotional aufgeladenen und unaufgeklärten Vorgänge im Hintergrund, um sie beizeiten aufzuwärmen. Es gibt jedoch Anzeichen, dass diese Art von Indoktrination ihre Wirkung verliert.

(Hervorhebung bm)

Siehe auch den Artikel vom 04.09.2025:

Tobias Riegel: Der Russe war’s! Wie sich die Sabotage-Vorwürfe stapeln (und nie richtiggestellt werden)
Das „GPS-Gate“ um das Flugzeug Ursula von der Leyens ist in sich zusammengefallen – trotzdem ist die Episode ein gutes Beispiel für die Manipulationsmethode mit den „gestapelten“ Vorwürfen. Diese schnellen Aufzählungen von „russischen Untaten“ sollen in der Summe ein bedrohliches Bild abgeben, auch wenn die einzelnen Elemente überwiegend völlig unbelegte Behauptungen sind. Möglicherweise wird also auch der „GPS-Angriff Russlands“ bald in Talkshows zwischen anderen gestapelten Behauptungen (Desinformation, Spionage, Paketbomben, Wahlmanipulation usw.) als „russische Aggression“ aufgezählt werden.

Überaus lesenswert ist in dem Zusammenhang auch dieser Artikel vom Anti-Spiegel: 

Die Chronologie der Provokationen der Europäer zur Vorbereitung eines Krieges gegen Russland
Nachdem 14 europäische Staaten vor einiger Zeit gedroht haben, Handelsschiffe mit Ziel Russland zu kapern, und die Ukraine Ziele in Russland inzwischen offen über den Luftraum von EU-Staaten angreift, ist ein Blick auf die Chronologie der Ereignisse interessant, mit denen Russland offensichtlich zur Abgabe des ersten Schusses für einen Krieg mit EU-Staaten provoziert werden soll.

Weiter hinten in den Abschnitten: „Die Medienkampagne“ und „Die koordinierte Kriegshysterie der Geheimdienstchefs“ wird die Stapelmethode auch sichtbar. 

 






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